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Mittwoch, 22.11.2017

Die Bohlenstube

Die Stube war der einzige beheizbare und rauchfreie Raum des Hauses. Sie ist im Obergeschoss als Eckstube nach Südwesten orientiert. Neben der günstigen Sonneneinstrahlung hat sie den Vorteil der Einsehbarkeit sowohl des Hofes als auch des Straßenraumes, wobei die straßenseitige Orientierung gleichfalls zum Repräsentationszweck diente.
Die Wärmequelle bildete der Stubenofen, der die Hitze des Feuers speicherte und als Wärmestrahlung gleichmäßig und allmählich abgegeben hat.
Die Befeuerung des Stubenofens erfolgte von außerhalb der Stube über das Schürloch vom Mittelflur des Obergeschosses. Dieser Ofentyp wird als Hinterladerofen bezeichnet.
Um die Rauchfreiheit der Stube zu gewährleisten, wurde der Rauch des Ofens durch ein Rauchloch über dem Schürloch in den Mittelflur geleitet und hier durch einen Rauchzug aus lehmverstrichenem Fachwerk in das Dachgeschoss abgeleitet. W. Hävernick beschreibt die Konstruktion des Rauchabzuges treffenderweise als ?großen, dick mit Lehm verschmierten Rauchhut?.
Die Behaglichkeit in der Stube resultiert aus der guten Wärmedämmfähigkeit der Holzbohlenwände. Da die Stube nach Südwesten orientiert ist, erwärmt die Sonnenstrahlung in kalter Jahreszeit die außen auf den Holzbohlen aufgebrachte Lehmschicht. Hierdurch entsteht ein zusätzlicher Wärmegewinn, eine wärmetechnisch ideale Kombination.
Die hervorgehobene Status der Stube ist nicht nur in der Außenansicht ablesbar. Ihr aufwendig gestaltetes Interieur bildet einen deutlichen Gegensatz zu den unverputzten fachwerk- oder stampflehmsichtigen und meist sichtbar geschwärzten Wänden und Decken der anderen Räume.
Mit der Schiffskehlung des Unterzuges und des Kranzgesimses sowie der Profilierung der Bohlen-Balkendecke bzw. der Tür- und Fensterstöcke werden im Stubeninneren Gestaltelemente der äußeren Fassade aufgenommen.
Die Gestaltung setzte sich an den Zugängen zur Stube fort. Oberhalb der Stubentüren zur Kammer und zum Flur haben sich die bauzeitlichen Verdachungen erhalten.
Die flurseitige Stubentür ist als Gratleistentür aus 3 gehobelten Brettern mit geschmiedeten Türbändern ausgebildet. Zur Stubenseite ist in jüngere Zeit eine Vierfelder-Gliederung aus profilierten Leisten aufgenagelt.

Ein älteres Schlitzrahmenfenster mit unterer feststehender Verglasung und 2 übereinanderliegenden Schiebeflügeln hat sich ebenfalls erhalten.

Quelle(n):

"Geschichte, Gestalt und Entwicklungsmöglichkeiten einer Hofanlage im Weimarer Land"
Erläuterungsbericht der Diplomarbeit von J.Kölpin, 2002