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Montag, 11.12.2017

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Das Wohnstallhaus

Das älteste Gebäude ist das mit einer Inschrift auf das Jahr 1599 datierte Wohnstallhaus. An das Wohnstallhaus schließt eine stattliche Torfahrt an, neben der mit einer deutlich sichtbaren Baufuge ein Renaissance-Sitznischenportal angefügt wurde. Auf den ersten Blick erscheint diese Anordnung unlogisch, da die Pforte im Regelfall an das Wohnhaus anschließt. Bei genauerer Betrachtung wird auf der Rückseite der Torfahrt zum Haus hin der Ansatz eines Segmentbogens sichtbar, dessen Gegenseite sich in der heutigen Stubenwand befindet. Hier stand also vor dem Bau des heutigen Hauses ebenfalls ein Portal.

Das Wohnstallhaus ist zweigeschossig und besitzt ein Erdgeschoss in Massivbauweise. Das Obergeschoss ist in Fachwerkbauweise errichtet, der Dachstuhl als Kehlbalkendach ausgeführt. Das ehemalige Strohdach wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch eine Ziegeldeckung ersetzt.

Das Obergeschoss des Wohnstallhauses ist in Fachwerkbauweise ausgeführt und durch zwei innere Querwände in drei Zonen gegliedert. Die zwei Traufseiten und der Straßengiebel sind als Schaufassaden ausgeführt. Das Fachwerk des hofseitigen Giebels ist schlicht und wurde auf das konstruktiv Notwendige beschränkt. Die Gefache sind mit Lehmstaken ausgefacht.
Das Fachwerk wurde weitgehend als gebundenes System ausgeführt, d.h. die Säulen, die Deckenbalken sowie die Sparren liegen übereinander. Die konstruktive Verbindung der Hölzer wird durch Zapfen gesichert, überkreuzende Hölzer sind miteinander verblattet.

Die Anordnung der Stube als Holzstube im Obergeschoss ist im 16. und 17. Jahrhundert in Mittelthüringen weit verbreitet. Oft wurden die Holzstuben im Obergeschoss auf Hochkellern errichtet, die vom Erdgeschoss erschlossen sind. Östlich der Saale liegen die Stuben meist im Erdgeschoss und sind als Holzstuben in eine Umgebindekonstruktionen eingefügt. Im Falle der Hohlstedter Holzstube ist die Umgebindekonstuktion als singuläres Element zu bezeichnen, welches die repräsentativen mit den konstruktiven Absichten vereint. Das „Platanenhaus“ in Jena besitzt ebenfalls eine umgebindeartige Konstruktion und ist somit neben dem Hohlstedter Haus ein weiterer Exot, die Umgebinde westlich der Saale betreffend.

Das Wohnhaus gehört zum Typ des in Mittelthüringen bis in das 18. Jahrhundert weit verbreiteten queraufgeschlossenen dreizonigen Wohnstallhauses.
Mit seinem Schaugiebel steht es direkt an der ehemaligen Chausseestraße von Weimar nach Jena, der Zugang erfolgt traufseitig vom Hof aus.
Aus den wesentlichen Grundbedürfnissen des Wohnens (Kochen, Essen und Schlafen) sind die Räume des Hauses abgeleitet: Stube, Küche und Kammer.